Beim 6. Wiener Juristischen Salon am 29. April 2026 sprach Romy Klimke, Professorin für Öffentliches Recht an der BSP Business & Law School Berlin, zum Thema „Eigentum & Natur – Überlegungen zu einem ambivalenten Verhältnis in und jenseits des deutschen Verfassungsrechts“.
Romy Klimke erläuterte in ihrem Vortrag, wie das gegenwärtige Eigentumsdenken weiterhin von bürgerlichen Rechtskonzepten geprägt und als ein absolutes und umfassendes Herrschaftsrecht an Objekten verstanden wird. Diesem Eigentumsverständnis liege ein bestimmtes Mensch-Natur-Verhältnis zugrunde, das die Natur dem Menschen in gewisser Weise unterordnet.
Dieses liberale Verständnis gerate mit ökologischen, ressourcenschonenden Zielen in Konflikt. Daher stellte Romy Klimke drei zum liberalen Denken alternative Eigentumsformen vor: Beim sogenannten Hersteller:inneneigentum würde das Eigentum an Produkten – ähnlich wie bei einem Leasingverhältnis – bei den Produzent:innen verbleiben, die dadurch ein wirtschaftliches Interesse an der Langlebigkeit der Produkte bekommen. Naturelemente könnten wiederum verstärkt in Gemeineigentum gebracht werden. Außerdem führte Romy Klimke in die Idee der Eigenrechte der Natur ein.
Diese Eigentumsalternativen seien teilweise aber noch weit von einer Realisierung entfernt. Abschließend verwies Romy Klimke daher auf eine mögliche, inhaltliche Erweiterung der Formulierung „Eigentum verpflichtet“ im deutschen Grundgesetz: Sachen seien von Eigentümern so zu pflegen, dass sie auch für die Allgemeinheit und für zukünftige Generationen erhalten bleiben.
Nach dem Vortrag stellte Paul Hahnenkamp, Post-Doc am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien, in einem ersten längeren Kommentar Verbindungen zum österreichischen Eigentumsgrundrecht her.
In der anschließenden Diskussion wurde einerseits über die Konsequenzen einer Abkehr vom liberalen Eigentumsdenken debattiert. Welche Veränderungen ergeben sich dadurch für die Rechtspraxis? Kann der Staat nicht bereits im Rahmen der jetzigen Beschränkungsmöglichkeiten zugunsten ökologischer Ziele ausreichend in Eigentumspositionen eingreifen? Und lassen sich direkt aus der Verfassung Pflichten zu einem ressourcenschonenden Umgang mit Eigentum – auch in Hinblick auf die österreichische Rechtsordnung – ableiten? Andererseits wurde über die ideengeschichtlichen Grundlagen des liberalen Eigentumsdenkens diskutiert. Besonders die eigentumsbegründende Arbeitstheorie von John Locke und ihre machtsichernden als auch demokratischen Elemente wurden debattiert und auch mit rechtshistorischen Quellen, wie der Weimarer Reichsverfassung, in Verbindung gesetzt. Nach einer lebhaften Debatte lässt sich festhalten: Die Frage, wie wir rechtlich Eigentum, besonders an knappen Naturelementen, fassen, wird uns noch weiter beschäftigen.
Der 6. Wiener Juristische Salon mit Romy Klimke
